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Schulangst! Was kannst du als LehrKraft tun?

Kennst du das auch? Da ist dieser eine Schüler in deiner Klasse, der einfach nicht zur Schule kommt. Du machst dir Sorgen, denn du weißt nicht, was mit ihm los ist und wie du ihm helfen kannst. Du möchtest nicht nur seinen schulischen Erfolg unterstützen, sondern auch seine gesamte Entwicklung im Blick behalten. Doch was, wenn hinter seinem Fernbleiben mehr steckt als nur ein bisschen „Schwänzen“?

In diesem Blogartikel beantworte ich die wichtige Frage, was du als LehrKraft bei Schulangst tun kannst.

Zu allererst ist es wichtig, dass du den Unterschied zwischen Schulangst und Schulphobie kennst. Warum das wichtig ist? Schulangst und Schulphobie sind zwei Begriffe, die oft synonym verwendet werden. Doch es gibt feine Unterschiede zwischen den beiden.

Beide Formen des Schulabsentismus haben verschiedene Ursachen und Symptome und bringen unterschiedliche Ansprüche an dich als LehrKraft mit sich. Also die Art und Weise, wie du deinen Schüler unterstützen kannst, unterscheidet sich enorm.

Deshalb beleuchte ich den Unterschied zwischen Schulangst und Schulphobie aus einer psychodynamischen Perspektive und zeige dir dann, wie du die beiden Formen des Schulabsentismus erkennst. Natürlich bekommst du auch wertvolle Tipps, was du als LehrKraft tun kannst.

Außerdem klären wir, wie gute Elternarbeit aussehen kann? Was kannst du raten, wenn sich Eltern hilfesuchend an dich wenden.

Lies weiter und wisse genau, wie du deinen Schüler ab morgen gut dabei unterstützten kannst, wieder entspannt am Unterricht teilzunehmen.

Schulängste sind reale Ängste

Schulangst ist eine Form der Angst, die sich tatsächlich auf eine Situation in der Schule bezieht. Hier sind einige häufige Ursachen von Schulangst:

  • Leistungsdruck
  • Soziale Ängste
  • Mobbing

Auch die Symptome von Schulangst können unterschiedlich sein:

  • Physische Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen
  • Psychische Symptome wie Nervosität, Gereiztheit, Trauer oder Wut
  • Verhaltensänderungen wie Rückzug, Vermeidung oder mangelnde Konzentration

Bei Schulangst sollte nach realen Gründen gesucht werden, die verändert oder zumindest abgeschwächt werden müssen.

Schulangst! Das kannst du als LehrKraft tun

Natürlich möchtest du, dass dein Schüler wieder in die Schule kommt. Aber was kannst du tun? Am wichtigsten ist es, dass du den psychodynamische Prozess, der hinter dem Fernbleiben von der Schule steht, verstehst. Ich habe aber auch ein drei ganz konkrete Tipps, wie du deinen Schüler unterstützen kannst:

1. Stelle sicher, dass es sich nicht um eine Schulphobie handelt

Um entsprechend handeln und die richtige Unterstützung bieten zu können, ist es wichtig, dass du die Ursachen für das Fernbleiben des Kindes kennst. Hat es in letzter Zeit gehäuft schlechte Noten bekommen? Gab es Streit mit den Klassenkamerad:innen oder Konflikte mit anderen Lehrkräften? Denke daran: Bei Schulangst handelt es sich um Angst vor einer realen Situation in der Schule! Gibt es etwas was du tun kannst, um die Situation des Schülers in der Schule zu verbessern?

2. Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung

Schaffe eine unterstützende und verständnisvolle Atmosphäre, in der sich der Schüler sicher fühlen und dir anvertrauen kann. Du kannst auch „indirekte“ Gesprächsangebote machen, in dem du z.B. nach der Stunde noch länger im Klassenraum bleibst und dein Pult aufräumst. Häufig merken das Kinder und bleiben bei Gesprächsbedarf auch einfach sitzen bis alle anderen in der Pause sind. Das sind gute Gelegenheiten für Gespräche!

3. Einbeziehung der Eltern

Eltern können wertvolle Informationen über den Schüler liefern und unterstützende Maßnahmen zu Hause ergreifen. Inwiefern tragen die Eltern aber auch zum Leistungsdruck des Kindes bei? Inwieweit findet mögliches Mobbing auch am Nachmittag statt? Welche sozialen Ressourcen hat das Kind außerhalb der Schule? Versuche möglichst viel über das Kind herauszufinden.

Was nicht hilfreich ist: Das Kind sollte in jedem Fall weiter in die Schule kommen. Über lange Fehlzeiten ändert sich an der Situation in der Schule meist nichts, im Gegenteil: Lerndefizite werden oft noch größer. Je länger das Kind fehlt, desto schwieriger wird der Wiedereinstieg.

Schulphobie ist eine Trennungsangst

Kinder mit einer Schulphobie haben Angst, die Schule zu besuchen, auch wenn kein objektiver Grund dafür zu erkennen ist. Die Schulphobie ist eine Form der Trennungsangst von den Eltern, das heißt, die Angst wird auf die Schule projiziert. Damit entsteht eine vermeintlich objektive Ursache. Schulische Ereignisse können zwar als Auslöser dienen, sind aber nicht die eigentliche Ursache.

Der Bindungsforscher Bowlby hat bereits 1976 festgestellt, dass der Kern von Angststörungen wie etwa der Schulphobie in einem unsicheren, gestörten Bindungsstil des Kindes liegt, der sich innerhalb der familiären Interaktionen herausgebildet hat.

Symptome von Schulphobie können sein

  • Extreme Angst
  • Physische Symptome wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit oder Schwindel
  • Extremes Vermeidungsverhalten

Schulphobie! Das kannst du als LehrKraft tun!

Der Umgang mit Schulphobie erfordert ein tiefes Verständnis der psychodynamischen Aspekte, die zu dieser intensiven Angst führen. Hier sind 4 Tipps, wie du ein Kind mit Schulphobie unterstützen kannst: :

1. Stelle sicher, dass es sich nicht um Schulangst handelt

Um entsprechend handeln und die richtige Unterstützung bieten zu können, ist es wichtig, die Ursachen für das Fernbleiben des Kindes zu kennen. Lebt das Kind in einer dysfunktionalen Familie? Leidet ein Elternteil an einer Krankheit oder ist aus anderen Gründen oft abwesend? Denk daran: Die Schulphobie entsteht aufgrund von Trennungsängsten und einem unsicheren Bindungsstil des Kindes.

2. Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung

Ermutige den Schüler, seine Ängste auszudrücken. Dies kann durch Gespräche oder auch kreative Ausdrucksformen erfolgen. Dein einfühlsamer Zugang hilft dabei, die individuellen Hintergründe zu verstehen und angemessene Lösungsansätze zu entwickeln.

3. Einbeziehung der Eltern

Eltern können wertvolle Informationen über den Schüler liefern und unterstützende Maßnahmen zu Hause ergreifen. Versuch gemeinsam mit den Eltern die Hintergründe für die Schulphobie zu ergründen. Bleibt Besserung aus, rate auch unbedingt dazu, das Kind bei einer Therapeut:in vorzustellen. Elterngespräche sind fester Bestandteil von Kindertherapien, so dass auch eine Bearbeitung der Problematik der Eltern angestoßen werden kann.

4. Zusammenarbeit mit Fachexperten: Such dir Unterstützung bei der Schulsozialarbeit und der Schulpsychologie. Sie können mit ihrer Fachexpertise deinen Blick auf das Kind erweitern und so zusätzliche Handlungsoptionen schaffen.

Ebenso wie bei der Schulangst ist es bei Schulphobie wenig hilfreich, wenn dem Vermeidungsverhalten des Kindes nachgegeben wird. Ängste können sich so weiter manifestieren und der Wiedereinstieg wird nach langen Fehlzeiten um so schwieriger sein.

Schule schwänzen und Zurückhaltung durch die Eltern

Obwohl Schulangst und Schulphobie die häufigsten Formen des Schulabsentismus sind, gibt es zwei weitere Formen, die ich ebenfalls zumindest kurz erwähnen möchte: das Zurückhalten durch die Eltern und das klassische Schule schwänzen.

Schule schwänzen

„Schule schwänzen“ tritt meist erst im Jugendalter und häufig in Zusammenhang mit Verwahrlosung und anderen sozialen Auffälligkeiten auf. Rein äußerlich scheint bei den Jugendlichen keine Angst erkennbar zu sein. Auber auch bei ihnen ist die Ursache eine Form von Angst, vor allem Angst vor Anstrengung, Mühe und Leistung. Schulverweigerer versuchen, fast alle Anforderungen zu vermeiden und sie durch „lustvolle“ Verhaltensweisen wie Computerspiele oder Rumhängen in Kaufhäusern zu ersetzen.

Was kannst du tun? Das Schwänzen resultiert wahrscheinlich aus einer Schulangst, die sich in den letzten Jahren manifestiert hat. Am wichtigsten ist es, dass du für deine Schüler:in eine offene Tür behältst. Wenn er nach einiger Zeit wieder zur Schule kommt, begrüße ihn freundlich und sage ihm, dass es schön sei, dass er wieder da ist. Die Alternative „ Na, auch mal wieder da? Dann kannst du ja gleich Englisch, Mathe und Bio nachschreiben!“ wird nicht dazu führen, dass der Schulbesuch lange währt..

Zurückhalten durch die Eltern

In einigen Fällen entscheiden sich Eltern – bewusst oder unbewusst – dazu, ihr Kind nicht zur Schule zu schicken. Das geschieht aus verschiedenen Gründen wie Überforderung, Sorge um die schulische Leistung oder der Befriedigung eigener Bedürfnisse durch die ständige Anwesenheit des Kindes.

Es ist wichtig anzumerken, dass das Zurückhalten durch die Eltern eine komplexere Situation darstellt, die eine individuelle Betrachtung erfordert. In solchen Fällen ist es ratsam, wenn du die sozialen Dienste, Schulpsychologen oder andere Fachleute hinzuziehst, um die Situation zu analysieren und geeignete Maßnahmen einzuleiten.

Du bist wichtig! Hol auch du dir Unterstützung!

Ich hoffe, dass dieser Artikel dir wertvolle Einblicke in das Thema Schulangst und Schulphobie aus psychodynamischer Sicht gegeben hat und dich in deinem Umgang mit betroffenen Schülern unterstützt. Dennoch ist es wichtig zu beachten, dass jeder Schüler individuell ist und möglicherweise eine maßgeschneiderte Herangehensweise erfordert.

Du bist nicht allein in dieser Herausforderung. Lass uns zusammenarbeiten, um eine unterstützende Lernumgebung zu schaffen, in der jeder Schüler die Möglichkeit hat, sein volles Potenzial zu entfalten.

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Wir überlegen dann gemeinsam, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte.

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