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Übertragung und Gegenübertragung im Klassenzimmer

Hast du in deinem Schulalltag auch immer öfter mit störendem oder sogar aggressiven Verhalten von Schüler:innen im Unterricht zu tun? Musst du dich manchmal nach der Pause erstmal die Hälfte der Stunde mit dem Lösen von Konflikten und Streitereien beschäftigen? Und möchtest du darauf nicht immer nur genervt mit den immer gleichen Belohnungs- und Bestrafungssystemen reagieren?

Dann bist du hier genau richtig!

Wenn du bis zum Ende liest, wirst du wissen, wie dir die verstehende Haltung der Psychoanalytischen Pädagogik und die Anerkennung unbewusster Prozesse im Klassenzimmer dabei helfen kann, die Dynamiken in deiner Klasse besser zu erkennen. Besonders hilfreich ist hierbei das psychoanalytische Konzept der Übertragung und Gegenübertragung. Übertragungs- und Gegenübertragungsreaktionen finden jeden Tag und in jeder sozialen Begegnung statt. Wenn wir Lehrkräfte ein Klassenzimmer betreten, geht also unbewusst die Post ab.

Aber was ist diese Übertragung jetzt eigentlich genau? Warum ist sie in meinem Unterrichtsgeschehen so machtvoll? Ist Übertragung immer schlecht? Und wie kann ich sie mir vielleicht sogar zu Nutze machen um die Ursachen für Unterrichtsstörungen zu verstehen?

Die Psychoanalytischen Pädagogik hilft dir neue Perspektiven auf die Arbeit mit schwierigen Schüler:innen zu erhalten. So kannst du störendes Verhalten von Schüler:innen als eine soziale Mitteilung lesen, durch deren Bedeutung das unkooperative Verhalten des Kindes subjektiv sinnvoll wird.

Heute keine Lust zu lesen? Du kannst dir die Inhalte auch auf YouTube ansehen:

Übertragung und Gegenübertragung im Klassenzimmer – Mara Walch – Subjektivsinnvoll

Was versteht man unter Übertragung und Gegenübertragung?

Übertragung? Das haben wohl die meisten von euch schon einmal gehört, oder? Aber was ist das jetzt genau?

Übertragung ist die Wiederholung von Beziehungserfahrungen aus der Vergangenheit – meist noch aus der Kindheit.

Diese Beziehungserfahrungen und -wünsche von damals richten sich nun an eine Person aus der Gegenwart, z. B. an die Lehrkraft. Das heißt, immer wenn wir jemanden treffen, schreiben wir ihm eine Bedeutung zu. Und welche das ist, hat mit unseren unverarbeiteten Erfahrungen aus der Vergangenheit zu tun. Das können gute und schlechte Erfahrungen sein.

Übertragung und Gegenübertragung im Klassenzimmer

Bei diesem intrapsychischen Vorgang – der heißt so, weil er sich erst mal nur innerhalb der eigenen Psyche abspielt – wird das Gegenüber – also du als Lehrkraft- mit einer wichtigen Person aus der Vergangenheit des Kindes sozusagen „verwechselt“.

Man sagt auch, dass die Beziehungserfahrungen von damals im Hier und Jetzt reinszeniert werden. Handelt es sich um eine positive Übertragung – z.B. die der fürsorglichen Mutter – wird die Beziehung zwischen dir und dem Kind wahrscheinlich recht harmonisch verlaufen. Wird jedoch die Person der strafenden oder zurückweisenden Mutter auf dich übertragen, kann es zu Konflikten kommen. Das Kind versucht dann, dich zu einer Rollenübernahme zu drängen, die seinen unbewussten Bedürfnissen entspricht, also zu Reaktionen, die es schon kennt.

Und das funktioniert so gut, weil diese Übertragung des Kindes wiederum Einfluss auf deine unbewussten Gefühle hat und es zu einer entsprechenden Antwort kommt – einer so genannten Gegenübertragungsreaktion. Diese können auch ganz unterschiedlich sein und haben wiederum mit deinen früheren Erfahrungen zu tun. Sie sind auch verantwortlich für so scheinbar unerklärliche Bedürfnisse, wie z.B. zu manchen Kindern besonders streng sein oder andere unbedingt vor Misserfolgen schützen zu wollen.

Kennst du das? Hast du auch Schüler oder Schülerinnen, bei denen du dich immer wieder wunderst, welche Reaktionen sie bei dir hervorrufen? Oft ist es ja sogar so, dass diese Reaktionen bei jedem Kollegen anders sind und nur du gerätst immer wieder in Konflikte mit dem Schüler? Schreibt mir deine Erfahrungen gerne in die Kommentare, ich bin da sehr gespannt!

Mit Übertragung und Gegenübertragung im Klassenzimmer arbeiten

Wir wissen jetzt, dass in jedem Klassenzimmer die Beziehungserfahrungen der Kinder auf dich als Lehrkraft übertragen werden – und umgekehrt – die Gegenübertragung. Und dass beides gut oder schlecht sein.

Aber wie hilft dir das jetzt in deiner pädagogischen Praxis?

1. Also zum ersten ist es wichtig zu wissen, dass es diese unbewussten Prozesse gibt und dass sie in der Konfliktdynamik sehr machtvoll sind. Es ist kein Zufall, dass du mit bestimmten Schüler:innen immer wieder in konflikthafte Situationen gerätst. Aber wenn es kein Zufall ist, dann bist du diesem Konflikt auch nicht ohnmächtig ausgeliefert! Du kannst was verändern!

2. Besonders destruktiv sind die nicht durchschauten Konfliktbeziehungen zu bestimmen Schüler:innen. Wenn du die Psychodynamik der Schüler:innen und auch deine eigenen Anteile nicht erkennst, kannst du auf das unproduktive Beziehungsangebot des Kindes nur reagieren, du agierst aber nicht mehr mit!

Um aus dieser Abwärtsspirale auszusteigen ist es also unbedingt notwendig, die unbewussten Dimensionen in fachlichen Beziehungen zu erkennen. Aber wie soll das gehen? Sie sind ja nun mal UNBEWUSST! Wie soll also ein professioneller Umgang von uns Lehrkräften mit unseren Gegenübertragungsreaktionen und unseren emotionalen Verstrickungen funktionieren?

In der psychoanalytischen Pädagogik gehören hierfür zwei Dinge unbedingt zusammen: Zum einen das fachspezifische theoretische Wissen, z.B. darüber, dass es Übertragungs- und Gegenübertragungreaktionen gibt und was diese bedeuten. Hierbei kann euch mein Blog helfen.

Fast wichtiger als dieses Wissen ist aber die psychoanalytisch verstehende Haltung! Diese Haltung kannst du durch regelmäßige Selbstreflexion erhalten. Besonders empfehlenswert sind Balintgruppen. Das ist eine psychoanalytische Form der Supervision. Neben der Problematik, die die Schüler:innen mitbringen, steht hier auch die Selbstreflexion der Eigenanteile und der eigenen Deutungsmuster im Vordergrund. Wenn du die erkennst, kannst du die Wahrscheinlichkeit eines destruktiven Mitagierens verringern.

In meinen Coachings können wir ebenfalls an einem konstruktiven und souveränen Umgang mit herausfordernden Schüler:innen arbeiten.

Du möchtest mich persönlich kennenlernen?

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Wir überlegen dann gemeinsam, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte.

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So entstehen mit der Zeit gute und tragende Beziehungen in deinem Klassenzimmer.

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Ich freue mich sehr, wenn ich dich dabei unterstützen darf, deine LehrKraft zu entfalten. Damit dir dein Beruf wieder Freude macht!  Sei es mit meinem Blog, einem inspirierenden Posting oder im Coaching!

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